Aktuelles/Briefing Room

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Studien und Co.

Greenpeace "Vergiftete Geschenke" (PDF): Der Report fasst Rechercheergebnisse aus Tansania und Kenia zusammen und kommt zu dem Schluss: Altkleiderexporte werden oftmals zur Entsorgung von Plastik-Textilmüll in den Ländern des Globalen Südens missbraucht. Das Geschäft der Händler*innen vor Ort wird immer weniger profitabel - etwa 30 bis 40% der eingeführten Kleidungsstücke können nicht mehr verkauft werden. Der Grund für den steigenden Müllanteil ist vor allem Fast Fashion und der damit einhergehende große Anteil an Kleidungsstücken aus Polyester. Die Kleidung auf den Müllbergen verrottet nicht und stößt beim offenen Verbrennen giftige Gase aus. Viola Wohlgemuth (Greenpeace) sagt “Internationale Konzerne haben diese Länder zur Müllkippe ihrer linearen Geschäftsmodelle gemacht” und spricht sich für einen Exportverbot von Textilmüll aus. Nur der Export von Altkleidern, die tatsächlich als tragbare Kleidung wiederverwendet werden können, sollte erlaubt sein. Greenpeace plädiert zudem für eine erweiterte Herstellerverantwortung nach Verursacherprinzip: Das heißt, die*der Hersteller*in trägt die Kosten für die in der gesamten Lieferkette verursachten Umwelt- und Gesundheitsschäden, unabhängig von der geografischen Lage des Schadens. Auch Die Zeit berichtet über die Rechercheergebnisse.

Global Living Wage Coalition & Anker Research Institute "Living Wage and Living Income for Sustainable Diet" (PDF): Das Arbeitspapier untersucht, wie existenzsichernde Löhne und Einkommen mit Ernährung zusammenhängen und wie ein angemessener Lebensstandard armutsbedingte Probleme wie Ernährungsunsicherheit lindern kann. Eine nachhaltige Ernährung muss sowohl erschwinglich und zugänglich sein als auch den individuellen Bedürfnissen nach einer nahrhaften Ernährung gerecht werden. Eine wirklich nachhaltige Ernährung geht weit über einfache Messgrößen wie die Kalorienzufuhr hinaus. Sie muss eine ausreichende Versorgung mit Makro- und Mikronährstoffen gewährleisten, kulturell angemessen und ausreichend abwechslungsreich sein und die Umwelt schonen. Die Autor*innen untersuchen verschiedene Kategorien von Arbeitnehmer*innen in ländlichen und städtischen Gebieten im globalen Süden und untersuchen wichtige Unterschiede zwischen Subsistenzlandwirt*innen, Landbesitzer*innen, informell Beschäftigten, Lohnempfänger*innen und anderen, die sich das ganze Jahr über angemessen ernähren.

News

GOTS Revision: Alle drei Jahre findet bei GOTS ein Überarbeitungsprozess statt, bei dem der Standard mit internationalen Interessengruppen zusammenarbeitet. Die GOTS-Revisionsentwürfe werden während des Revisionsprozesses für öffentliche Konsultationen und Kommentare zugänglich sein. GOTS ermutigt alle Interessengruppen, einschließlich Verbände, Organisationen, Unternehmen und Einzelpersonen, sich auf diese Weise am Prozess der Überarbeitung des Standards zu beteiligen. Die erste öffentliche Konsultation hat am 14. April 2022 begonnen und wird für einen Zeitraum von 60 Tagen (12. Juni 2022) geöffnet sein.

Produktionsländer

Sri Lanka: 327 Beschäftigte einer Bekleidungsfabrik in der Freihandelszone Koggala wurden wegen einer Lebensmittelvergiftung in ein Krankenhaus eingeliefert. Ein Sprecher des Krankenhauses sagte, die kranken Mitarbeiter*innen seien mit mehreren Bussen in das Krankenhaus gebracht worden. Sie werden derzeit wegen einer Lebensmittelvergiftung behandelt, teilte die Polizei mit. Die Angestellten wurden krank, nachdem sie am Morgen (20.4.) ihr Frühstück in der Fabrik eingenommen hatten. Nach Angaben der Polizei klagten die Beschäftigten über Erbrechen, starke Kopfschmerzen und Durchfall. Die Ärzt*innen vermuten, dass eine Mahlzeit mit Huhn die Ursache für die Lebensmittelvergiftung war.

Indien: Laut dem Report "Unbearable harassment - The Fashion Industry and Widespread Abuse of Female Garment Workers in Indian Factories" (PDF) des Business & Human Rights Resource Centre, der Asia Floor Wage Alliance und der Society for Labour & Development hat der Missbrauch von Bekleidungsarbeiterinnen in indischen Fabriken aufgrund der Reaktion der Modemarken auf die COVID-19-Pandemie zugenommen. Es wurden die Aussagen von 90 Frauen in 31 Fabriken in drei großen Bekleidungszentren in Indien gesammelt: Delhi NCR, Karnataka und Tamil Nadu. Diese Fabriken beliefern mindestens 12 globale Modemarken und Einzelhändler*innen oder haben sie kürzlich beliefert (u.a. die Textilbündnisunternehmen C&A, H&M und Primark). Die Untersuchungen ergaben, dass alle Bekleidungsarbeiterinnen an ihren Arbeitsplätzen geschlechtsspezifische Gewalt und Belästigung miterlebt oder direkt erfahren haben, die von männlichen Vorgesetzten und Managern ausgeübt wird, die sie dazu drängen, die von den Modemarken vorgegebenen unangemessenen Produktionsziele zu erfüllen. Journalistin Jasmin Malik Chua berichtet in einem Twitter-Thread über die Textilarbeiterin Padma, die aufgrund der Beschimpfungen und Demütigungen in der Fabrik Shahi einen Selbstmordversuch unternahm. Arbeiterinnen, die Shahis hohe Produktionsziele nicht erreichten, so sagten sie, wurden als "Esel" und "Töchter von Prostituierten" beschimpft oder beschuldigt, nur in die Produktionshalle zu kommen, um "an ihren Schamhaaren zu zupfen". Denjenigen, die sich über diese nach indischem Arbeitsrecht illegale Behandlung beschwerten, wurde mit Vergewaltigung gedroht. Eine von ihnen beschrieb ihre Situation als "Produktionsfolter". Eine andere sagte, sie habe gesehen, wie Manager die meist männlichen Vorgesetzten verprügelt hätten, weil sie nicht strenger gewesen seien. Für Arbeiter*innen, die einer Gewerkschaft angehören, sei es noch schlimmer, da sie durch ihre Mitgliedschaft in der Gewerkschaft ein größeres Ziel für Belästigungen sind.

China: Ein Artikel der Harvard Business Review nennt Möglichkeiten, wie Unternehmen die ethischen Risiken von Geschäften in China meistern können. Das China von Xi Jinping sei anders als das Land, mit dem Unternehmen in den 1990er und 2000er Jahren zu tun hatten. Chinas Größe, seine staatlichen Kapazitäten und seine spezifische Politik schafften einzigartige ethische Risiken; Unternehmen können versehentlich in Menschenrechtsverletzungen oder Militärprojekte verwickelt werden. Um die richtige Strategie im Umgang mit China zu finden, sollten Führungskräfte die folgenden fünf Grundsätze beachten: 1) die Sorgfaltspflicht bei allen Initiativen, die China betreffen, erhöhen, 2) proaktiv die Alternativen zu Geschäften in China in Betracht ziehen, 3) den Transfer von Technologie, die militärische oder Überwachungsanwendungen haben könnte, oder Investitionen, die die Verfügbarkeit sensibler Technologie erhöhen, vermeiden, 4) so transparent wie möglich über Ihre Tätigkeiten und Investitionen und Ihre ethischen Sicherheitsvorkehrungen sein, 5) Mitarbeiter*innen, die aus Gewissensgründen keine Geschäfte mit China machen wollen, die Möglichkeit geben, diese Bedenken zu äußern und sich von bestimmten Projekten zurückzuziehen.

Unternehmen im Textilbündnis

Hugo Boss startet im dritten Quartal 2022 die eigene Resale-Plattform "Hugo Boss Pre-Loved", die ein kuratiertes Sortiment an neuwertiger gebrauchter Kleidung des Unternehmens anbietet. Kund*innen können getragene Kleidungsstücke über die Plattform sowohl kaufen wie auch eigene Kleidung zurückgeben. Die Resale-Plattform startet zunächst in Frankreich. Geplant ist ein weiterer Roll-out bis 2025 in Deutschland, Großbritannien und den USA.