Aktuelles/Briefing Room

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Studien und Co.

Kearney "The Kearney CFX 2022 Report: are fashion brands ramping up their circularity game?: Der Circular Fashion Index (CFX) von Kearney misst die Bemühungen einer Marke, den Lebenszyklus eines Produkts zu verlängern. Bewertet wurden 150 globale Marken aus 20 Ländern in sechs Kategorien: Sport und Outdoor, Unterwäsche und Dessous, Luxus, hochwertiger/erschwinglicher Luxus, Massenmarkt und Fast Fashion. Die Ergebnisse werden anhand von sieben Kriterien errechnet, die sowohl den Primärmarkt mit neuen Produkten (zum Beispiel Anteil recycelten Materials, Verfügbarkeit von Reparaturdiensten und Pflegehinweisen) als auch den Sekundärmarkt (zum Beispiel Second-Hand-Verkauf, Vermietung und Wiederverwendung von gebrauchter Kleidung) bewerten. Die Branche erhält insgesamt eine Bewertung von 2,85 (von 10), zwei Jahre zuvor lag sie bei 1,6. Vorreitermarken sind Patagonia, Levi's, The North Face und Esprit.

Die beiden Studien "How Circular is PET - A report on the circularity of PET bottles, using Europe as a case study" (PDF-Datei) von Zero Waste Europe und eunomia und "Not quite 100% - The Importance of Transparency in Non-Mechanical Recycling" (PDF-Datei) von chemsec untersuchen die Kreislauffähigkeit von Plastik/PET. Das meiste recycelte PET, das in Europa aus Flaschen zurückgewonnen wird, wird in anderen minderwertigeren PET-Anwendungen wie Schalen, Folien oder Fasern verwendet. Von den 1,8 Mio. Tonnen recycelten Flakes aus Flaschen werden nur 31% zu Flaschengranulat verarbeitet, der Rest (69 %) geht in andere PET-Produkte, wie z.B. Textilfasern. rPET von Flasche-zu-Flasche-Qualität kostet wahrscheinlich deutlich mehr als die Herstellung von Flocken und deren Verwendung bei der Herstellung von Behältern und Textilien (Downcycling). Der Bericht von Zero Waste Europe spricht sich für Änderungen der EU-Politk (z.B. Pfandrücknahmesysteme) aus, um Downcycling zu verhindern und das Recycling von Flasche-zu-Flasche zu ermöglichen. Chemsec befasst sich mit der Lücke zwischen Angebot und Nachfrage bei recycelten Materialien und thematisiert Mängel beim mechanischen Recycling (z.B. chemische Rückstände, Probleme mit der Polymerqualität). Hohe Kosten und ein geringes Angebot seien zwei weitere Hindernisse auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft. Chemsec spricht sich deswegen für mehr Transparenz im Bereich des noch nicht so etablierten chemikalischen (non-mechanical) Recyclings aus und plädiert für strikte Standards, damit Marken sich über die Nachhaltigkeit der verschiedenen Verfahren ein Bild machen können.

News

Situation der Wirtschaft: Der Ukraine-Krieg belastet weiterhin die Kauflaune der Verbraucher*innen und erreicht laut des Handelsverbands Deutschland einen "Allzeit-Tiefstand". Im Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren gingen die Erlöse im März um 8,4% zurück. Auch der Onlinehandel wird nach "zwei Rekordjahren in 2020 und 2021" aufgrund der schlechten Konsumstimmung gebremst. Strenge Corona-Lockdowns in China belasten die Geschäfte europäischer Firmen in der Volksrepublik schwer. In einer Umfrage der Europäischen Handelskammer in Peking gaben 75% der befragten Unternehmen an, dass sich die strengen Coronamaßnahmen negativ auf ihren Betrieb auswirken. Das Ifo-Institut rechnet mit einer anhaltend starken Inflation, da immer mehr Unternehmen in Deutschland ihre Preise erhöhen wollen. Hauptursache für die steigenden Preise seien höhere Kosten bei der Beschaffung von Energie, Rohstoffen, sonstigen Vorprodukten und Handelswaren. Volkswirt*innen erwarten wegen der angespannten Lage bei den Energiepreisen und anhaltender Sorgen um einen russischen Lieferstopp nicht, dass die Inflation in den nächsten Monaten rasch sinken wird.

Nachhaltigkeitsberichterstattung in der EU: Die European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) ist eine private Vereinigung, die 2001 mit Unterstützung der Europäischen Kommission gegründet wurde, um europäische Interessen und Expert*innenwissen zu Accounting-Standards zu bündeln. Die Mitgliedsorganisationen sind europäische Interessengruppen, nationale Organisationen und Organisationen der Zivilgesellschaft. Der Vorschlag der Europäischen Kommission für eine Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen (CSRD) sieht die Verabschiedung von EU-Nachhaltigkeitsberichtsstandards (ESRS) vor. In diesem Zusammenhang wurde die EFRAG aufgefordert, der Europäischen Kommission technische Beratung in Form von vollständig ausgearbeiteten Standardentwürfen und/oder Entwürfen für Änderungen an den Nachhaltigkeitsberichtsstandards zu leisten. Die Entwürfe stehen nun für eine öffentliche Konsultation bis zum 8. August 2022 zur Verfügung.

Produktionsländer

China will den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft in der Textilbranche beschleunigen und die Recyclingquote von Alttextilien bis 2025 auf 25% erhöhen. Um seinen Ziele näher zu kommen, will China zunächst das Recyclingnetz verbessern, sowie die Recyclingkanäle ausweiten. Außerdem sollen Textilhersteller ihre soziale Verantwortung stärker wahrnehmen, umweltfreundliches Textildesign und die Verwendung umweltfreundlicher Fasern sollen ebenso gefördert werden.

Indien: Im letzten News Update berichteten wir über den BHRRC Report (PDF-Datei) über geschlechtsspezifische Gewalt (GBV) und Belästigung in Textilfabriken. 11 der 12 Unternehmen, die in den untersuchten Fabriken hergestellt haben, antworteten auf die Anfrage vom Business & Human Rights Resource Center, so auch die Textilbündnisunternehmen C&A, H&M und Primark. C&A beteuert, in eigenen Audits keine Hinweise auf GBV gefunden zu haben und erklärt sich bereit, mithilfe der Informationen vom BHRRC die Angelegenheit zu untersuchen und Abhilfe zu schaffen. Die Behauptung, dass C&A unangemessene Produktionsziele setzt, weisen sie jedoch zurück. H&M geht auf den kürzlich mit dem indischen Produzenten Eastman abgeschlossenen Vertrag zum Stop von geschlechtsspezifischer Gewalt ein; sie erwarten, dass diese Vereinbarung zu einer breiteren Brancheninitiative beitragen wird. Primark untersuche bereits die Anschuldigungen. Um die Untersuchung zu unterstützen, hat Primark die Verfasser*innen des Berichts gebeten, streng vertraulich alle Einzelheiten mitzuteilen.

Bangladesch: Bei Demonstrationen für ihren Eid-Bonus in mehreren Vororten Dhakas wurden 27 Textilarbeiter*innen verletzt, als die Polizei Schlagstöcke, Gummigeschosse und Tränengas einsetzte. Am 25.4. seien 78% der Bonuse noch nicht ausgezahlt gewesen. Am 1. Mai (Tag des Fastenbrechens/Eid al-Fitr) verkündete Faruque Hassan, Präsident der Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association (BGMEA), dass 100% der Arbeiter*innen der Verbundsfabriken ihren Bonus bekommen hätten.

Indonesien: Vor sieben Jahren schloss die indonesische Bekleidungsfabrik Jaba Garmindo und entließ mehr als 2.000 Arbeiter*innen. Die beiden Modekonzerne Uniqlo und s.Oliver wurden nun in einem offenen Brief indonesischer Arbeiter*innen aufgefordert, die ihnen zustehenden Entschädigungszahlungen von 5,5 Mio US$ zu tätigen. In dem Brief wird auch auf das persönliche Vermögen vom Fast Retailing (Uniqlo) Vorsitzenden Yanai in Höhe von 26,4 Milliarden US$ eingegangen. In einer Stellungnahme von s.Oliver bekennt sich das Unternehmen zur allgemeinen Verantwortung gegenüber allen an, die in ihrer Wertschöpfungskette arbeiten. Das Unternehmen stehe daher in engem Kontakt mit der FLA und der Fair Wear Foundation, um den Prozess und das Engagement für die ehemaligen Arbeiter*innen der Fabrik Jaba Garmindo zu besprechen und einen Beitrag zu einem Hilfsfonds für sie zu leisten. Fast Reatiling verweist darauf, es bestehe keine rechtliche Verpflichtung in dieser Angelegenheit.

Unternehmen im Textilbündnis

Hugo Boss hat das erste Quartal '22 mit einem neuen Umsatzrekord mit einem Plus von 55% abgeschlossen. Den Ausfall des Geschäfts durch den Krieg Russlands in der Ukraine kann das Unternehmen in anderen Regionen kompensieren. Elf Franchisegeschäfte in der Ukraine und 28 eigene Geschäfte in Russland seien geschlossen. Vor Kriegsausbruch habe das Geschäft in der Ukraine und Russland mit insgesamt 3% zum Konzernumsatz beigetragen.

Primark steigert den Halbjahresumsatz um 59% und konnte sich in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 21/22 kräftig erholen. In einem Interview mit FashionUnited spricht Primarks Deutschland-Chefin über die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens. Mittlerweile seien die Kleidungsstücke, die recycelt, "nachhaltiger" oder aus Bio-Baumwolle sind auf 39% gestiegen. Bei der Frage, was Primark dagegen tut, dass Kleidungsstücke nach zwei Tagen im Müll landen wird lediglich auf das Take-Back-Programm des Unternehmens hingewiesen. Zum Punkt Arbeitsbedingungen sagt die Chefin "Die Menschen in der Lieferkette arbeiten für unsere Supplier und nicht für uns direkt. Daher ist es für uns ein ganz großer ‘Effort’ zu sagen: Wir wollen vor Ort präsent sein und kooperieren, zusammenarbeiten, Einfluss nehmen. Aber es sind natürlich eigenständige Fabriken. Daher können wir nicht sagen: ‘Wir machen das jetzt so.’ Wir müssen das Management der Fabriken an Bord haben, was wir zum Glück haben." Für den EU-Gesetzesentwurf zu Greenwashing sieht sich Primark gewappnet: "Es ist nicht nur etwas, was wir müssen oder weil es ein Gesetz sagt, sondern wir machen es, weil wir daran glauben."

Bei Puma wächst der Quartalsumsatz um 23,5%. Das Unternehmen hat seinen Nachhaltigkeitsreport für das Jahr 21 veröffentlicht, der 132 Seiten umfasst, und dabei vergleichsweise detailliert ist. Die Berichterstattung im Zuge des Review-Prozesses im Textilbündnis war dagegen äußerst knapp gehalten.