Aktuelles/Briefing Room

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Studien und Co.

World Retail Congress & Boston Cunsulting Group "Sustainability in Retail is Possible but there's Work to be Done" (PDF): Untersuchungen haben ergeben, dass weniger als 20% der großen Einzelhändler*innen auf dem richtigen Weg sind, die Klimaziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Für die Untersuchung wurden 37 große Einzelhandelsunternehmen (darunter acht aus dem Bereich Bekleidung) analysiert. Die Studie ergab, dass die meisten großen Einzelhandelsunternehmen noch keine umfassende Nachhaltigkeitsagenda aufgestellt haben und dass weniger als 20% der Unternehmen derzeit auf dem richtigen Weg sind, um die Scope-3-Emissionen zu senken und damit die Ziele zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad zu erreichen. Dies ist insofern von Bedeutung, als die Scope-3-Emissionen, d.h. die Treibhausgasemissionen, die in der Wertschöpfungskette eines Unternehmens entstehen, in der Regel mehr als 90% der gesamten Umweltauswirkungen eines Unternehmens ausmachen. Überraschend ist ebenso, dass Anreize und Berichterstattungen von Einzelhändler*innen selten genutzt werden, um Nachhaltigkeitsergebnisse zu erzielen.

Interline "Fashion Reset" (PDF): Eine komplexe Kombination aus technologischem Fortschritt, sozialem Wandel, Textilinnovation und kostengünstiger Massenproduktion hat eine Modeindustrie hervorgebracht, die auf ständiges Wachstum und nicht nachhaltiges Volumen setzt. Die Branche befindet sich seit geraumer Zeit in einer "Abwärtsspirale", wobei der Erfolg oft auf einem Schnellschussprinzip beruht - der Überflutung des Marktes mit Massenware und Vielfalt in hoher Geschwindigkeit -, der einen sich selbst verstärkenden Kreislauf aus Überproduktion und Verschwendung schafft. Der Report untersucht Möglichkeiten, dieser Spirale zu entkommen und ihren Ansatz neu zu gestalten - von der Umkehrung des Flusses von Design zu Produktion bis hin zu völlig neuen kommerziellen und kreativen Modellen, die überhaupt keinen physischen Output haben.

News

CO2-neutrale Baumwolle: Die Aid by Trade Foundation und Atmosfair (AbTF) bringen die Initiative „Cotton made in Africa (CmiA) Carbon Neutral“ als Basis einer klimafreundlicheren Textillieferkette auf den Markt. Damit bietet die AbTF nachhaltig verifizierte Baumwolle gemäß „Cotton made in Africa“-Standard an, bei der die Treibhausgasemissionen der Baumwollproduktion bis zur entkörnten Faser nicht nur kompensiert, sondern auch Schritt für Schritt reduziert werden. So soll beispielsweise Strom aus Solaranlagen schrittweise den herkömmlichen Strommix in den Entkörnungsanlagen (Fabriken, in denen die Fasern maschinell von den Samen der Baumwolle getrennt werden) ersetzen. Dort, wo aktuell oder auch langfristig keine Reduktionsmaßnahmen greifen können, werden die verbleibenden CO2-Emissionen kompensiert.

Ukraine-Krieg: Die Yale School of Management (Connecticut) aktualisiert laufend eine Liste von in Russland tätigen westlichen Unternehmen und deren Reaktion auf den Ukraine-Krieg. Die Bewertungsliste soll nachvollziehbar machen, welche Unternehmen bisher zu welchen Maßnahmen gegriffen haben und so den Druck erhöhen. Sie bewertet den Status der Aktivitäten von Unternehmen in Russland anhand von öffentlichen Quellen wie behördlichen Unterlagen, Unternehmenserklärungen, Berichten von Finanzanalysten sowie nicht-öffentlichen Quellen wie dem Netzwerk von Unternehmensinsidern, Whistleblowern und Kontakten von Führungskräften auf einer Notenskala von A bis F. Die meisten Modekonzernen, vom Luxusgüterkonglomerat LVMH über die führenden Sportbekleidungsunternehmen Adidas und Nike bis hin zum Fast Fashion-Riesen H&M, erhielten die Note B. Die Unternehmen in dieser Kategorie haben ihre Läden geschlossen und alle Lieferungen und Operationen eingestellt, hoffen aber auf eine baldige Rückkehr.

Follow Up Zertifizierungssysteme: Im News Update der KW 13 berichteten wir über eine Studie der Changing Markets Foundation. Die Analyse ergab, dass alle zehn untersuchten Zertifizierungssysteme keine ausreichend hohen Standards einhalten, dass es allen an Rechenschaftspflicht mangelt und dass alle Fortschritte zur Kreislaufwirtschaft verzögern, unter anderem durch Festhalten an Überproduktion, der Zunahme von Fast Fashion und der Abhängigkeit der Industrie von fossilen Brennstoffen. WRAP und ZDHC haben nun auf dier Ergebnisse reagiert. WRAP beteuert, einen Fahrplan mit Zwischenzielen zu haben, um die wichtigsten Etappen bis 2030 zu erreichen und erklärt, dass es die Fortschritte regelmäßig überprüft und sich das Recht vorbehält, Unterzeichner*innen, die keine angemessenen Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele vorweisen können, auszuschließen. ZDHC ist der Meinung, dass einige der Beobachtungen, die über ZDHC gemacht werden, die Organisation und einige der Hürden, die sie zu überwinden versuchen, nicht genau widerspiegeln.

Emissionen: Der Guardian kritisiert, dass bekannte Namen wie H&M und Nike vom Carbon Disclosure Project (CDP) gute Noten erhalten und behaupten können, dass ihre jährlichen Kohlendioxidemissionen gesunken seien, obwohl ihre tatsächlichen Emissionen gestiegen sind. Diese Modemarken geben zwar ihre globalen Bruttoemissionen an, aber diese werden im Verhältnis zum Gesamtumsatz berechnet. Das bedeutet, dass die Emissionen als rückläufig gewertet werden, solange die Emissionen weniger stark ansteigen als die Einnahmen pro Jahr. Im Klimaschutzbericht 2020 von Nike wird z.B. beschrieben, wie "die Emissionen im Vergleich zum Vorjahr um 1% gestiegen sind, was durch ein Umsatzwachstum von 7% im Vergleich zum Vorjahr ausgeglichen wurde, was zu einem Rückgang der Emissionen pro Umsatz (im Geschäftsjahr 2019) um mehr als 5% führte". Kritisch anzumerken sei ebenfalls, dass viele Unternehmen die Scope-3-Emissionen, die als vor- oder nachgelagerte Emissionen kategorisiert werden, nicht berücksichtigen, was bedeutet, dass sie die Verschmutzung durch ihre Lieferkette nicht berücksichtigen. Vogue-Autorin Bella Webb geht auf den kürzlich erschienenen IPCC-Report (Intergovernmental Panel on Climate Change der UN) ein und erklärt, dass alle Sektoren ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 mindestens halbieren müssen, um das im Pariser Abkommen festgelegte Ziel von 1,5°C einzuhalten. Für die Mode bedeute dies ehrgeizigere Ziele, eine schnellere Umsetzung von Lösungen und eine umfassende Neubewertung ihres Wertesystems.

Greenwashing: Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat gegen den niederländischen Wäscheanbieter Hunkemöller Klage eingereicht. Konkret geht es um einige online angebotene Kleidungsstücke, die von Hunkemöller als nachhaltig beworben werden. Es ist jedoch nicht sichergestellt, ob das Produkt aus nachhaltig produzierten Materialien besteht: Laut der Verbraucherzentrale begründet Hunkemöller seine Werbung lediglich mit der Mitgliedschaft in der Better Cotton Initiative (BCI), die die Produktion nachhaltiger Baumwolle fördert und voraussetzt, dass Mitgliedsunternehmen ihren Bedarf an Baumwolle aus mindestens 10% der so hergestellten Baumwolle decken. Dieser Anteil an nachhaltiger Baumwolle wird in der Lieferkette jedoch mit konventionell hergestellter Baumwolle vermischt, so dass letztendlich nicht klar ist, in welchen Kleidungsstücken und wieviel dieser „umweltfreundlicheren“ Baumwolle tatsächlich steckt. Ebenfalls abgemahnt wurde die Fashion ID GmbH & Co. KG, Betreiber des Online-Shops peek-cloppenburg.de, und die Popken Fashion GmbH.

Komplikationen in Lieferketten: In den seit Beginn der Coronapandemie zunehmend aus dem Takt geratenen Lieferketten auf See ist nach Daten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) noch keine Entspannung in Sicht. Derzeit stecken etwa 12% aller weltweit verschifften Waren fest. Gründe dafür werden u.a. in der anhaltenden Pandemie und der rigiden Pandemie-Politik Chinas und den gegen Russland verhängten Sanktionen gesehen. Der Ukraine-Krieg und die Sanktionen gegen Russland haben dem Außenhandelsverband BGA zufolge schwere Folgen und könnten zu einer Pleitewelle in der Transportbranche führen. Stark gestiegene Energiepreise und der Fahrermangel setzen der deutschen Transportbranche ebenfalls zu.

Produktionsländer

Sri Lanka: Die Asia Floor Wage Alliance und Global Labor Justice - International Labor Rights Forum berichten über Repressalien und Unterdrückung von Gewerkschaften und Arbeiter*innenorganisationen während COVID-19 in Sri Lanka. Auf der Grundlage von Gesprächen mit Gewerkschaften, Arbeitnehmer*innenrechtsorganisationen und Bekleidungsarbeiter*innen zeigt dieser Bericht, dass der größte Bekleidungshersteller Sri Lankas, Brandix, in den Tagen vor einem Ausbruch von COVID-19 im Jahr 2020 in einer seiner Fabriken gegen die COVID-19-Richtlinien der Regierung verstoßen hat. Darüber hinaus enthüllt dieser Bericht, dass sowohl Brandix als auch die Polizei und das Militär der srilankischen Regierung die Unterdrückung von srilankischen Gewerkschaften und Arbeitnehmerorganisationen, die an dem Fall arbeiten, intensiviert haben. Der UN-Sonderberichterstatter für Vereinigungsfreiheit, Clement Voule, verurteil die Niederschlagung der Proteste in Sri Lanka und den Einsatz von scharfer Munition durch die Polizei gegen Demonstrant*innen.

Bangladesch: Führende Vertreter*innen des Garment Workers Trade Union Centre (GWTUC) haben zu Beginn des Monats auf einer Kundgebung die Eigentümer der Bekleidungsfabriken aufgefordert, die Löhne und Festtagszuschläge der Beschäftigten bis zum 20.4., also vor dem bevorstehenden Zuckerfest (Eid-ul-Fitr), auszuzahlen. Die Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association (BGMEA) hatte zuvor angekündigt, für den Monat April lediglich den Lohn für 15 Tage auszuzahlen.