Aktuelles/Briefing Room

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Studien und Co.

European Environment Agency "Microplastics from textiles: towards a circular economy for textiles in Europe": Dieses Briefing zielt darauf ab, das Verständnis von Mikroplastik, das aus Textilien freigesetzt wird zu verbessern und Wege zur Verringerung oder Vermeidung dieser Freisetzung aufzuzeigen. Zu den Kernaussagen gehören u.a.: Etwa 8% des Mikroplastiks, das in Europa in die Meere gelangt, stammt aus synthetischen Textilien - weltweit wird diese Zahl auf 16-35% geschätzt. Zwischen 200.000 und 500.000 Tonnen Mikroplastik aus Textilien gelangen jedes Jahr in die globale Meeresumwelt. Der Großteil des Mikroplastiks aus Textilien wird bei den ersten Waschvorgängen freigesetzt. Besonders hoch ist die Freisetzung in der Fast Fashion, da diese Kleidungsstücke einen hohen Anteil an der ersten Wäsche haben, da sie nur kurze Zeit getragen werden und aufgrund ihrer geringen Qualität schnell verschleißen. Es ist möglich, die Freisetzung von Mikroplastik aus Textilien zu verringern oder zu verhindern, z. B. durch die Einführung nachhaltiger Design- und Produktionsprozesse und Pflegemaßnahmen, die die Mikroplastikemissionen während des Gebrauchs kontrollieren, sowie durch die Verbesserung der Entsorgung und der End-of-Life-Verarbeitung.

Einkaufspraktiken: Better Buying "Better Buying Partnership Index Report, 2022 - Partnership Quality in Global Supply Chains": Der BBPI ist ein neues Instrument, das die Beziehungen zwischen Einkäufer*innen und Zulieferer*innen unter dem Aspekt der Partnerschaftsqualität untersucht. Die Ergebnisse zeigen den Druck, unter dem die Lieferant*innen stehen, da viele Einkäufer*innen den Lieferant*innen nie, selten oder nur manchmal genügend Zeit, Transparenz oder Finanzinformationen für eine vollständig konforme Produktion zur Verfügung stellen. Die Lieferant*innen berichteten über eine Reihe von Risiken in der Lieferkette, auf die die Einkäufer*innen achten sollten, darunter Materialengpässe und eine zu große Abhängigkeit von einer begrenzten Anzahl von Rohstofflieferant*innen. Als weitere Risiken wurden verpasste Chancen aufgrund schlechter Prognosen und unvollständiger Kapazitätsauslastung, das unbeständige Versandumfeld und die zunehmende Komplexität der Logistik, instabile Bestellpraktiken und der zunehmende Preisdruck auf mehreren Ebenen der Lieferkette genannt. Das neue Dashboard von the industry we want (TIWW) wurde mithilfe von Daten des Better Buying Institute, der WageIndicator Foundation und des Apparel Impact Institute erstellt und soll als jährliche "Ampel" oder "Temperaturkontrolle" für die gesamte Branche dienen. Hierfür hat TIWW eine Reihe von branchenweiten Kennzahlen entwickelt, um den Fortschritt des Sektors auf jährlicher Basis zu messen und Maßnahmen in den Bereichen existenzsichernde Löhne, Einkaufspraktiken und Treibhausgasemissionen zu fördern. Der jährliche Check soll dazu beitragen, Fortschritte zu fördern, die Angleichung zu unterstützen und den Informationsaustausch, die Zusammenarbeit und gegebenenfalls politische Veränderungen anzuregen.

Material Innovation Initiative "Brand Engagement with Next-Gen Materials: 2022 Landscape" (PDF): Die Material Innovation Initiative (MII) hat sich zum Ziel gesetzt, die Entwicklung leistungsstarker, tierfreier und nachhaltigerer Materialien für die Mode-, Automobil- und Haushaltswarenindustrie zu beschleunigen. Im Rahmen dieser Mission präsentiert sie den ersten Bericht über das Engagement von Marken bei Next-Gen Materialien, der die Zusammenarbeit in dieser schnell wachsenden und sich verändernden Branche zu fördern soll. Der Bericht listet 125 Partnerschaften von First Mover Brands und Herstellern von Next-Gen Materials, die Marken dazu inspirieren sollen, mit Next-Gen Materialien zu arbeiten und innovative Produkte auf den Markt zu bringen.

Die Changing Markets Foundation hat am 21.2. Greenwash.com ins Leben gerufen, um zum Ende der Londoner Fashion Week das "grassierende" Greenwashing in der Modeindustrie aufzudecken. Demonstrant*innen von Changing Markets und Extinction Rebellion versammelten sich vor dem Old Selfridges Hotel, um mit Bannern und Flugblättern, die auf Greenwash.com hinwiesen, das Greenwashing von Modemarken aufzudecken. Durch das interaktive Tool sollen die verschiedenen Taktiken von Modemarken aufgezeigt werden, mit denen sie behaupten, ihre Produkte seien nachhaltig. Untersuchungen von Changing Markets zeigen, dass fast 60% der umweltfreundlichen Bekleidungsangaben irreführend oder unbegründet sind. Unter den Greenwashing-Fällen befinden sich auch Werbungen der Textilbündnis-Unternehmen Adidas, H&M, Primark und Puma.

News

EU-Lieferkettengesetz: Die EU-Kommission hat am 23.02. ihren Entwurf für die „Richtlinie über die Sorgfaltspflicht von Unternehmen im Bereich der Nachhaltigkeit“ veröffentlicht. Die Regeln sollen für alle Unternehmen im EU-Binnenmarkt mit mehr als 500 Mitarbeiter*innen und einem jährlichen Nettoumsatz von 150 Mio. € gelten. In den Risikosektoren Textil, Landwirtschaft und Bergbau sollen die Pflichten bereits für Unternehmen ab 250 Mitarbeiter*innen und einem Nettoumsatz von 40 Mio. € gelten. Zudem soll das Gesetz die Unternehmen für ihre gesamte Lieferkette in die Verantwortung nehmen. Diese Punkte gehen zwar über das deutsche Lieferkettengesetz hinaus, dennoch würde das EU-Lieferkettengesetz damit weniger als 1% aller Unternehmen in der EU erfassen. Der Kommissionsentwurf betont zwar die zentrale Bedeutung des Privatsektors für die Einhaltung der 1,5°C-Grenze nach dem Pariser Klimaabkommen. Genau wie das deutsche Lieferkettengesetz versäumt er es allerdings, Unternehmen eigenständige klimabezogene Sorgfaltspflichten aufzuerlegen. Kritisch zu betrachten ist zudem die Begrenzung der Sorgfaltspflichten auf "etablierte Geschäftsbeziehungen". Diese Begrenzung schafft einen Anreiz konträr zu den Bestrebungen der letzten Jahre, Unternehmen dazu zu ermutigen, als loyale*r Geschäftspartner*innen mit langfristigen Kooperationen mit ihren Lieferant*innen zu agieren – niemand sollte diese Pflichten durch häufige Wechsel von Geschäftspartnern umgehen können. Positiv ist jedoch, dass der Entwurf eine zivilrechtliche Haftungsregelung enthält, mit der Betroffene von Menschenrechtsverletzungen oder Umweltschäden gegen die verursachenden Unternehmen klagen können.

Follow-Up zum Betrug mit Bio-Baumwolle: Der Global Organic Textile Standard GOTS nimmt Stellung zum Artikel der New York Times zum Betrug mit Bio-Baumwolle (siehe News Update KW 7) und stellt klar, dass GOTS kein Farmstandard sei und daher keine Baumwolle zertifiziere. Stattdessen sei GOTS der strenge freiwillige globale Standard für die gesamte Nach-Ernte-Verarbeitung von Bekleidung und Heimtextilien aus zertifizierten Bio-Fasern. Zudem beteuert GOTS, dass Verbraucher*innen darauf vertrauen können, dass die Baumwolle in einem GOTS-zertifizierten Produkt aus biologischem Anbau stammt und belegt dies u.a. durch obligatorische Kontrollen durch IFOAM (International Federation of Organic Aggriculture Movements) und weitere Tests von Saatgut auf gentechnisch veränderte Organismen und Pestizidrückstände, und die kontinuierliche Überwachung von Zertifizierungsstellen. Zudem sei GOTS sehr daran interessiert, Beweise für Betrug zu erhalten und dubiose Unternehmen aus dem eigenen System auszuschließen, was sich in dem Zertifizierungsverbot von 11 Unternehmen wiederspiegelt.

Instrument zur Messung sozialer Auswirkungen: Das französische Luxusmodehaus Chloé hat angekündigt, das erste Instrument zur Messung der sozialen Auswirkungen in der Branche zu entwickeln und hofft, dass es von der gesamten Modeindustrie übernommen werden könne. Das Tool soll Marken dabei helfen, ihre sozialen Auswirkungen zu messen, zu bewerten und zu visualisieren. Damit soll der Tatsache begegnet werden, dass es zwar viele Tools zur Messung der Umweltauswirkungen von Mode gibt, aber kein Äquivalent für die Berechnung der sozialen Auswirkungen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg. Das Tool, das sich bereits in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium befindet, soll sicherstellen, dass Arbeitsbedingungen positive soziale Praktiken aufrechterhalten, und zwar anhand von sechs Indikatoren: Gleichstellung der Geschlechter, existenzsichernder Lohn, Vielfalt und Integration, Ausbildung, Wohlbefinden und Arbeitsplatzqualität. Das System wird es Marken auch ermöglichen, ihre Auswirkungen auf die Menschen zu visualisieren, die direkt an ihren Produkten arbeiten, von der Materialbeschaffung bis zur Auslieferung zu den Boutiquen, einschließlich der Arbeiter:innen, die bei den Zulieferbetrieben beschäftigt sind, sowie der eigenen Mitarbeiter*innen.

Produktionsländer

Myanmar: Tesco kündigt Plan für einen "verantwortungsvollen" Ausstieg aus Myanmar angesichts anhaltender Arbeitsrechtsverletzungen an. Der Schritt folgt auf Berichte, wonach Gtig Eastar Garment (Myanmar) Co, eine in chinesischem Besitz befindliche Bekleidungsfabrik in der Wartayar Industrial Zone in der Stadt Yangon, sich geweigert hat, Tausende von Arbeiter*innen zu entschädigen, nachdem sie im Oktober ihre Schließung angekündigt hatte, sieben Monate nachdem sie durch einen Brand schwer beschädigt worden war. Tesco sagte, dass es seine letzten Aufträge mit Gtig Eastar abwickelt und sich aus Myanmar zurückziehen wird, in Übereinstimmung mit dem Rat von globalen Gewerkschaften. Tesco ist damit das erste Mitglied der vom internationalen Gewerkschaftsverbund IndustriALL mitgetragenen Initiative ACT, das nach dem Rückzug von ACT aus Myanmar nun seine Geschäftsbeziehungen mit Zulieferfabriken in diesem Land beendet. 

Türkei: Nach dem Brand in einer Textilfabrik in Istanbul, bei dem mindestens fünf Arbeiter*innen - darunter vier syrische Geflüchtete - ums Leben kamen, wurden sechs Personen festgenommen. Die Staatsanwaltschaft beschloss die Verhaftung von drei Verdächtigen, die später ins Gefängnis kamen, während drei andere gegen Kaution freigelassen wurden. Vier der Todesopfer versuchten Berichten zufolge, sich in einer Toilette einzuschließen, um den Flammen zu entkommen, starben jedoch an einer Rauchvergiftung. Weitere sechs Arbeiter*innen wurden nach dem Brand in dem vierstöckigen Gebäude, in dem die Fabrik untergebracht war, in ein Krankenhaus gebracht. Der Fall zeigt die besondere Vulnerabilität von Geflüchteten; türkischen Bekleidungsfabrikbesitzer*innen wird vorgeworfen, informelle Arbeiter*innen, darunter auch syrische Kinder, auszubeuten.

Bangladesch: Bei einem Großbrand in Ashulia (Savar) starben mindestens drei Menschen (darunter eine Frau und ein 15-jähriges Mädchen) und 40 weitere wurden verletzt. Nach Angaben der Feuerwehr brach das Feuer in der nicht zugelassenen Uniworld-Schuhfabrik im Jamgara-Gebiet gegen 17.00 Uhr aus.

Unternehmen im Textilbündnis

Hugo Boss: Italienischen Presseberichten zufolge will Hugo Boss den eigenen Entwicklungsstandort in Scandicci in der Nähe von Florenz schließen. Dort fand bislang die Produktentwicklung der Lederwaren- und Damenschuhkollektionen statt. Von der Schließung sind 21 Personen betroffen. Die Gewerkschaften haben zu Protesten aufgerufen. Hugo Boss gehe diesen Schritt, um sich ganz aus Italien zurückzuziehen und die Produktion nach Portugal und China zu verlagern, zitiert die italienische Presse betroffene Angestellte. Zudem seien die Kund*innen von Hugo Boss nicht mehr an „Made in Italy“ interessiert, lautet eine weitere Erklärung, die Hugo Boss angeblich gegenüber dem italienischen Tochterunternehmen geäußert habe. Hugo Boss dementiert jedoch diese Aussagen.