Aktuelles/Briefing Room

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Studien und Co.

WRAP "The Sustainable Clothing Action Plan 2020 Commitment 2012-2020" (PDF): Die Multi-Stakeholder-Initiative WRAP hat einen Abschlussbericht über die Ergebnisse ihres Aktionsplans für nachhaltige Kleidung (SCAP) veröffentlicht, der letztes Jahr ausgelaufen ist. Die Ergebnisse der Wirkungsmessung zeigen, dass die Unterzeichner*innen, zu denen u.a. Marken, Einzelhändler*innen, Textilrecyclingunternehmen, Wissenschaftler*innen und NGOs gehören, zwar die Reduktionsziele für den Kohlenstoff- und Wasserfußabdruck der Branche übertroffen haben, bei den Anstrengungen zur Abfallvermeidung jedoch hinterherhinken. Auf den bisherigen Aktionsplan folgt nun die Agenda Textiles 2030, in der vor allem der Weg zu einer kreislauffähigen Modeindustrie in Großbritannien geebnet werden soll.

The Economist Intelligence Unit "Is Sustainability in Fashion? Industry leaders share their views" (PDF-Datei): Der Bericht stützt sich auf die Erkenntnisse von Expert*innen und die Beobachtungen von Entscheidungsträger*innen führender Marken zu den Herausforderungen, denen sich die Modeindustrie im Bereich der Nachhaltigkeit gegenübersieht. Befragt wurden u.a. Stefan Seidel (PUMA), Franke Henke (Adidas) und Dr. Jürgen Janssen (Textilbündnis). Die Untersuchung veranschaulicht die Ambitionen, Frustrationen, Zuversicht und Ängste der Führungskräfte der Branche in einer Zeit extremer Umwälzungen. Zu den Key Findings gehört u.a., dass die Marken wissen, dass Daten ihnen helfen können, den Fortschritt bei der Erreichung von Nachhaltigkeitszielen zu messen. Die meisten erheben jedoch nicht genügend Daten, und es werden branchenweit standardisierte Verfahren zur Datenerhebung benötigt.

IndustriALL Europe, Traidcraft Exchange und das Fair Trade Advocacy Office (FTAO) "Leveraging the Unfair Trading Practices Directive to benefit the Garment Sector" (PDF-Datei): Die Organisationen haben ein gemeinsames Papier über die politischen Optionen zur Abschaffung unlauterer Handelspraktiken im globalen Bekleidungssektor veröffentlicht. Das Papier befasst sich mit dem Präzedenzfall der EU-Richtlinie zu unlauteren Handelspraktiken in der landwirtschaftlichen Lebensmittelversorgungskette und argumentiert, dass ein ähnliches Rechtsinstrument für den Bekleidungssektor dringend erforderlich ist. Das Papier bietet einen Überblick über einige der wichtigsten unlauteren Handelspraktiken, mit denen Bekleidungshersteller*innen konfrontiert sind, wie z.B. unverhältnismäßig niedrige Einkaufspreise, die oft unter den Produktionskosten liegen, kurze Vorlaufzeiten, schlechte Zahlungsbedingungen, einseitige Vertragsänderungen oder die Verlagerung der Risiken zu Lasten der Hersteller*innen.

News

Lage der Branche: Etwa 40% der Mode-Unternehmen kämpfen mit Problemen in der Lieferkette. Es wird zudem davon ausgegangen dass die Lieferschwierigkeiten im Modehandel noch ein gutes halben Jahr andauern werden. Noch schlagen sich die Probleme nicht im Preis nieder: Die allgemeine Inflationsrate steigt im Oktober auf 4,5%, Kleidung und Schuhe bleiben jedoch kaum teurer als vor einem Jahr (+1,1%). Viele Unternehmen kündigen jedoch baldige Preiserhöhungen an. Der Baumwollpreis ist auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren, nachdem er innerhalb des vergangenen Jahres um 54% gestiegen war. Dass sich auch diese Entwicklung auf die Bekleidungspreise auswirken dürfte, scheint unausweichlich. Gründe für die Preissteigerungen sind u.a. Lockdowns und Lieferprobleme (z.B. Zwangsarbeit der Uiguren in Xinjiang), aber auch eine starke Nachfrage und ungünstige Wetterbedingungen.

COP26 Policy Forderungen: In einem Call to Action forderten zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen aus der Modebranche die führenden Politiker*innen der Welt auf, sich zu fünf formulierten Empfehlungen zu verpflichten (u.a. zur Erreichung von Netto-Null-Emissionen bis spätestens 2050, Abfallvermeidung, Sorgfaltspflichten in globalen Lieferketten, Bildungswesen (Reparatur & Wiederverwendung). Auf der COP26 unterstützen zudem über 50 Marken, Zulieferer*innen, Einzelhändler*innen, Nichtregierungsorganisationen und Industrieverbände die Forderung von Textile Exchange nach einer Politik, die Anreize für die Verwendung umweltfreundlicher Materialien schafft. In dem von Textile Exchange auf der COP26 vorgestellten Antrag werden Präferenzzölle für Materialien wie Biobaumwolle und Recyclingfasern gefordert. Der Antrag unterstützt das Ziel von Textile Exchange, die Fortschritte bei der Erreichung des Branchenziels einer 45%igen Reduzierung der Treibhausgasemissionen aus der Produktion von Textilfasern und -materialien bis 2030 zu beschleunigen. Zu den bevorzugten Materialien zählt Textile Exchange neben Bio-Baumwolle auch recyceltes Polyester.

Fashion Industry Charter for Climate Action: Die Klimarahmenkonvention (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) veröffentlicht eine aktualisierte Charta mit erneuerten Verpflichtungen für die Modeindustrie (PDF-Datei), mit dem Ziel, die Branche auf das 1,5-Grad-Ziel auszurichten. Im Mittelpunkt steht die Aufforderung an die Unternehmen, sich "Science Based Targets" zu setzen oder ihre Emissionen bis 2030 zu halbieren, mit der Zusage, bis spätestens 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Dies ist eine Aktualisierung des früheren Ziels, die Treibhausgasemissionen bis 2030 insgesamt um 30% zu senken. Eine "Roadmap to Net Zero" haben das World Resources Institute (WRI), das Apparel Impact Institute und die Laudes Foundation erarbeitet. Die Institute schätzten anhand von Daten von der Sustainable Apparel Coalition und von Textile Exchange die voraussichtlichen Emissionen im Bekleidungssektor und formulieren sechs Maßnahmen mit denen die Lücke zum Ziel der 45%igen Reduktion der Emissionen geschlossen werden kann (Materialeffizienz, nachhaltige Materialien & Praktiken, innovative Materialien, Energieeffizienz, Abschaffung der Kohle in der Fertigung, Umstellung auf 100% erneuerbare Energien).

Altkleider: Im News Update der KW 37 berichteten wir über die Auswirkungen von Kleiderspenden auf Menschen und Umwelt in Ghana. Auch Chile leidet unter der Umweltverschmutzung durch Fast Fashion. Im Hafen von Iquique in der Freizone Alto Hospicio im Norden Chiles kommen jedes Jahr rund 59 000 Tonnen Kleidung an. Bekleidungshändler aus der 1.800 km südlich gelegenen Hauptstadt Santiago kaufen einen Teil davon, während ein Großteil in andere lateinamerikanische Länder geschmuggelt wird. Mindestens 39.000 Tonnen, die nicht verkauft werden können, landen jedoch auf Müllhalden in der Wüste Atacama.

Produktionsländer

Pakistan: Die Regierung der Provinz Sindh (Region Karachi) hat den Mindestlohn angehoben. Dagegen wehren sich die Fabrikbesitzer*innen mit Klagen vor Gericht und die Androhung abzuwandern. Von den Schwierigkeiten der Arbeiter*innen, sich gegen diese Strategie ihrer Arbeitgeber*innen zu behaupten, sowie regelmäßigem Lohndiebstahl und anderen Arbeitsrechtsverletzungen berichtet ausführlich ein Artikel aus The Dawn.

Unternehmen im Textilbündnis

Hugo Boss, Puma und Adidas berichten über Gewinnzuwächse: Dank der starken Erholung in wichtigen Märkten in Amerika und Europa konnte Hugo Boss seinen Nettogewinn im dritten Quartal 2021 mehr als verzehnfachen. Auch bei Puma wächst der Nettogewinn im dritten Quartal um mehr als ein Viertel. Auch Adidas übertrifft das Vorjahresniveau und berichtet über ein kleines Umsatzplus. In China sank der Umsatz um 11% (als Gründe für den Rückgang nannte das Unternehmen „die geopolitische Situation, die erneuten Einschränkungen im Zusammenhang mit Covid-19 sowie Naturkatastrophen“).

Der Umsatz von Primark hingegen lag 2021 um 5% niedriger als im Vorjahr. Im Gegensatz zu den meisten High Street-Einzelhändlern hat Primark keinen Online-Handel. C&A stellt Stellenabbau in Europa in Aussicht.