Aktuelles/Briefing Room

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Studien und Co.

BSR & Laudes Foundation "Keeping Workers in the Loop - Preparing for a Just, Fair, and Inclusive Transition to Circular Fashion" (PDF): Der Bericht untersucht die Auswirkungen der Umstellung auf die Kreislaufwirtschaft auf den Arbeitsmarkt. Er basiert auf der 18-monatigen kollektiven Forschung von BSR mit Branchenführer*innen und Interessengruppen im Rahmen von Keeping Workers in the Loop (KWIL). Von der Automatisierung bis zum Klimawandel werden die Auswirkungen einer sich verändernden Branchendynamik auf die Arbeitnehmer*innen untersucht und Empfehlungen für die Industrie und die politischen Entscheidungsträger*innen zur Schaffung eines gerechten, fairen und integrativen Kreislaufmodesystems gegeben (Executive Summary (PDF)).

Asia Floor Wage "A Stitch in Time Saved None: How Fashion Brands Fueled Violence in the Factory and Beyond": Die Studie dokumentiert die Erfahrungen von Bekleidungsarbeiterinnen mit geschlechtsspezifischer Gewalt und Belästigung (GBVH) im Zuge der COVID-19-Pandemie in asiatischen Produktionsländern. Dabei wird der "wirtschaftliche Schaden" als eine Form von GBVH herausgearbeitet und unterstrichen, wie die Geschäftsmodelle globaler Bekleidungsmarken und ihre Maßnahmen während der durch die Pandemie ausgelösten Krise die Anfälligkeit der Arbeiterinnen für Gewalt sowohl in den Fabriken als auch in ihren Häusern, Familien und Gemeinden verschärft haben.

Better Cotton"2021-30 Strategic Direction" (PDF): Die 2030 Agenda von Better Cotton gibt die Richtung eines Zehnjahresplans vor. Ziele sind u.a.: 1. Nachhaltige Anbaupraktiken und -strategien zu verankern, damit auf den Baumwollfarmen der Boden gesund ist und Land, Wasser und andere Ressourcen zum Wohle der lokalen Gemeinschaften und des Planeten bewirtschaftet werden; 2. das Wohlergehen und die wirtschaftliche Entwicklung der Landwirt*innen zu verbessern, indem Better Cotton dazu beiträgt, dass der Baumwollanbau für sie und ihre Gemeinden wirtschaftlich tragfähig wird; 3. die Förderung der weltweiten Nachfrage nach nachhaltiger Baumwolle in den komplexen Lieferketten. Außerdem plant Better Cotton eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 50% bis 2030 (einseitiges Summary (PDF)). Zudem veröffentlichte Better Cotton den "2020 Impact Report" (PDF), in dem die neuesten Daten auf Feldebene (aus der Baumwollsaison 2019-20) geteilt werden. Zudem wird bewertet, wie lizensierte Better-Cotton-Farmer in China, Indien, Pakistan, Tadschikistan und der Türkei in Bezug auf ökologische, soziale und wirtschaftliche Kriterien abschneiden, verglichen mit Landwirt*innen, die nicht am Better-Cotton-Programm teilnehmen. Diese Kriterien betreffen u. a. den Einsatz von Pestiziden, Düngemitteln und Wasser sowie menschenwürdige Arbeit, Erträge und Gewinne.

Stringer, Payne & Mortimer "As cheap as humanly possible: why consumers care less about worker welfare": Trotz bekannt gewordener Verstöße gegen das Wohlergehen der Arbeitnehmer*innen verzeichnen viele Modehändler*innen weiterhin Rekordgewinne. In der Studie wurden 21 halbstrukturierte Interviews mit australischen Fast-Fashion-Konsument*innen geführt, um die Gründe zu untersuchen, warum Verstöße gegen Arbeitsrechte weniger wahrscheinlich eine pro-soziale Verhaltensänderung bei den Konsument*innen hervorrufen. Die Studie ergab, dass die Verbraucher*innen die Belange der Arbeiter*innen sowohl aus einer unmittelbaren als auch aus einer kulturellen Distanz heraus wahrnehmen und daher Schwierigkeiten haben, sich mit den Problemen der modernen Sklaverei auseinanderzusetzen. Darüber hinaus bestehe ein gesellschaftlicher Konsens darüber, dass ausbeuterische Praktiken ein akzeptierter Teil der Fast-Fashion-Lieferkette sind, um den Fortbestand von Billigkleidung zu gewährleisten. Die Wirtschaftswoche berichtet über einen Report von YouGov, für den mehr als 11.000 Erwachsene in zehn europäischen Ländern befragt wurden. Deutsche zeigten dabei in vielerlei Hinsicht ein überdurchschnittlich großes Bewusstsein für Nachhaltigkeit beim Modekauf. Zum Beispiel nennen Deutsche Fast Fashion Geschäfte deutlich seltener (37%) als bevorzugte Einkaufsmöglichkeit als der europäische Durchschnitt (46%).

News

Vernichtung von Neuwaren: Seit Anfang Januar verbietet das französische Gesetz gegen Verschwendung und für die Kreislaufwirtschaft (AGEC) die Verbrennung von Neuwaren. Unverkaufte Waren wie Textilien und elektronische Produkte sollen demnach wiederverwendet oder recycelt werden. Das Gesetze sehe Geldstrafen "von bis zu 15.000 Euro pro Verstoß und pro juristische Person" vor, so das Ministerium. In Deutschland trat das Kreislaufwirtschaftgesetz im Herbst 2020 in Kraft, aber bislang liegt noch keine Rechtsverordnung vor. Das heißt es gibt noch keine gesetzliche Handhabe, um die Warenvernichtung hierzulande tatsächlich zu stoppen. Das Smart Prosperity Institute veröffentlichte zudem die Studie "Fast Fashion: Why Firms Incinerate Deadstock" (PDF). Das Paper kritisiert, dass es derzeit nur wenige nachhaltige Alternativen zu Mülldeponien und Verbrennungsanlagen für überschüssige Bestände gibt und fordert, dass politische Entscheidungsträger*innen die Anreize und bestehenden Mechanismen für die Vernichtung von Beständen verringern. Als Vorbild nennt das Paper das zuvor genannte französische Gesetz zur erweiterten Herstellerverantwortung.

Zwangsarbeit: Bundesaußenministerin Annalena Baerbock dringt auf ein EU-Importverbot für mit Zwangsarbeit hergestellte Produkte. Das Europäische Parlament hatte sich bereits im März für ein Importverbot für Produkte ausgesprochen, die von Zwangsarbeitern hergestellt wurden. Im September hatte sich EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen diesem Vorschlag angeschlossen. Ende Dezember hat der US-amerikanische Präsident Biden den Gesetzentwurf für den "Uyghur Forced Labor Prevention Act" unterschrieben, der nach einjährigen Verhandlungen letzte Woche die endgültige Zustimmung des Kongresses erhielt. Das Gesetz verbietet alle Importe aus der chinesischen Region Xinjiang in die Vereinigten Staaten, es sei denn, die Unternehmen können der US-Regierung "eindeutige und überzeugende Beweise" dafür vorlegen, dass in ihren Lieferketten nicht die Arbeitskraft ethnischer Muslim*innen eingesetzt wurde, die in chinesischen Lagern versklavt wurden. Das Gesetz wird u.a. von den Einzelhandelsverbänden NRF und RILA, der United States Fashion Industry Association (vertritt Marken, Einzelhändler*innen, Importeur*innen und Großhändler*innen) und der American Apparel & Footwear Association in einer gemeinsamen Erklärung unterstützt. Tracit veröffentlichte die Studie "The Human Cost of Illicit Trade: Exposing Demand for Forced Labor in the Dark Corners of the Economy" (PDF), welche die Häufigkeit von Zwangsarbeit in illegalen Marktaktivitäten untersucht. Der Bericht zeigt, dass Frauen, Kinder und Männer jeden Alters zur Arbeit in illegalen Sektoren gezwungen werden, wo sie von organisierten Kriminellen in ihrem Streben nach Profit missbraucht werden. Das Vorkommen von Zwangsarbeit wird in acht Sektoren untersucht, in denen regelmäßig über illegale Praktiken berichtet wird. Zu diesen Aktivitäten gehört die Fälschung von Bekleidung, Schuhen und Luxusgütern. Der Bericht verdeutlicht, wie Zwangsarbeit mit verschiedenen Formen des illegalen Handels zusammenhängt. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein Ende dieser Menschenrechtsverletzungen nur durch die Ausrottung des illegalen Handels und der damit verbundenen Nachfrage nach Zwangsarbeit möglich ist.

Chemikalien in Produkten: Die European Chemicals Agency (ECHA) berichtet, dass 78% der geprüften, online verkauften Produkte gegen das EU-Chemikalienrecht verstößt. Es wurden fast 6000 Produkte, u.a. Textilien, Leder, Kinderpflegeartikel, Spielzeug und Schmuck untersucht. Im Anschluss an die Inspektionen leiteten die nationalen Durchsetzungsbehörden mehr als 5000 Durchsetzungsmaßnahmen ein. In den meisten Fällen wurden die Unternehmen schriftlich aufgefordert, das Produktangebot von ihren Websites zu entfernen oder ihre Werbung den Vorschriften anzupassen.

Produktionsländer

Marokko: Der Besitzer einer Textilwerkstatt im Norden Marokkos, in der 29 Angestellte, mehrheitlich Frauen, im vergangenen Februar ertranken, wurde am Donnerstag laut einem Anwalt der Nebenklage zu anderthalb Jahren Haft verurteilt, ein Urteil, das von den Familien der Opfer kritisiert wurde.

Sri Lanka: Verschiedene Gewerkschaften der Bekleidungsindustrie in Sri Lanka haben am Montag eine bahnbrechende Vereinbarung mit dem Arbeitgeberverband Joint Apparel Association Forum (JAAF) unterzeichnet, in der sich beide Parteien darauf verständigt haben, wie sie wichtige Fragen, die den Arbeitsplatz von Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie betreffen, insbesondere während der Pandemie, angehen wollen. Während die Einrichtung von Gesundheitsausschüssen und die Zusicherung der Vereinigungsfreiheit während der Pandemie als erstes in Angriff genommen wurde, ist das komplexere Thema der Löhne noch nicht in dem Dokument enthalten.

China: Eine 24-jährige Frau aus Norwich fand einen Ausweis eines chinesischen Häftlings im Futter eines online bestellten Mantels im Wert von 49,99£. Die britische Marke Whispering Smith äußerte sich bisher nicht zu dem Vorfall.

Unternehmen im Textilbündnis

Hugo Boss: Der Modekonzern nutzt erstmals in seiner Geschichte ein Finanzinstrument, das konkrete Nachhaltigkeitsziele berücksichtigt. Das Unternehmen verkündete den Abschluss eines revolvierenden Konsortialkredits im Umfang von 600 Mio. Euro. Die Zinskonditionen seien „an die Erfüllung fest definierter Nachhaltigkeitskriterien gebunden“. Als Grundlage dienten Vorgaben der „Environmental, Social, and Corporate Governance“ (ESG)-Richtlinien. Zudem baut der Modehändler seine Produktionsstätte im türkischen Izmir aus. Die künftige Strategie bestehe darin, noch mehr Bekleidungsstücke in der Nähe der Märkte zu produzieren, wo sie verkauft würden. Zudem soll ein Teil der Produktion in sogenannte City-Fabriken in westliche Länder verlagert werden.

Winner and Loser 2021: H&M kehrt beim Umsatz im vierten Quartal auf das 2019er Niveau zurück (Erlös von 5,5 Mrd. Euro im Geschäftsjahr '21). Adidas hat sein Ende vergangenen Jahres angekündigtes Aktienrückkaufprogramm gestartet. Geplant sei, „im ersten Quartal 2022 eigene Aktien im Wert von bis zu einer Milliarde Euro zurückzukaufen“. Der Umsatz des Bekleidungskonzerns s.Oliver sinkt im Geschäftsjahr 2020 auf knapp 1 Milliarde Euro. Unter dem Strich schreibt das Unternehmen rote Zahlen. Für 2021 rechnet S.Oliver „trotz mehrmonatigen Lockdowns mit einem positiven Betriebsergebnis. Orsay beantragt nach pandemiebedingten Einbußen Schutzschrimverfahren. In einem Artikel listet FashionUnited über insolvent gegangene Unternehemen, und diejenigen, die einer Insolvenz entkommen sind.