Aktuelles/Briefing Room

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Studien und Co.

Innovation Accelerator "Sustainable Apparel Barometer 2021 - Practical analysis of key issues and innovation in apparel supply chains" (PDF-Datei): Der Bericht zeigt Maßnahmen für eine ethische und klimafreundliche Mode- und Bekleidungsindustrie auf und befasst sich mit der Entwicklung der Transparenz im Baumwollsektor, den Herausforderungen und Chancen der Viskoseproduktion und der Frage, was getan werden muss, um die Einhaltung sozialer Standards in den Bekleidungslieferketten zu verbessern. Da China 30% der Weltbaumwolle und Xinjiang 85% der nationalen Ernte produziert, kommt der Bericht zu dem Schluss, dass jede Marke mit chinesischer Baumwolle in ihrer Lieferkette von diesem Skandal betroffen ist.

Transformers Foundation "Cotton: A Case Study in Misinformation - A report on building critical data consumption in fashion" (PDF-Datei): In der Studie wird die Verbreitung von Fehlinformationen in der Modebranche kritisiert. Ungenaue und veraltete Zahlen seien weit verbreitet und verhinderten einen positiven Wandel zu mehr Nachhaltigkeit in Branche. Für Industrie und Gesellschaft sei es jedoch von entscheidender Bedeutung, die besten verfügbaren Daten und Zusammenhänge über die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen der verschiedenen Fasern und Systeme in der Modebranche zu verstehen, damit bewährte Praktiken entwickelt und umgesetzt werden können, die Industrie fundierte Entscheidungen treffen kann und Landwirt*innen und andere Zulieferer*innen und Hersteller*innen belohnt werden und Anreize erhalten, verantwortungsvollere Praktiken anzuwenden. Die Studie soll Leser*innen dazu befähigen, Daten und Informationen kritisch zu konsumieren und die gängigsten Mythen über die Baumwollindustrie entlarven.

News

EU-Lieferkettengesetz: Die European Coalition for Corporate Justice (ECCJ) berichtet über eine neue Umfrage von YouGov laut derer 86% der Bürger*innen aus mehreren EU-Ländern sich strenge Gesetze wünschen, um Unternehmen für Menschenrechts- und Umweltverstöße in der eigenen Lieferkette haftbar zu machen. Die Ergebnisse aus neun EU-Ländern (Österreich, Belgien, die Tschechische Republik, Frankreich, Deutschland, Irland, die Niederlande, Slowenien und Spanien) kommen im Vorfeld der erwarteten Ankündigung der Europäischen Kommission eines EU-Lieferkettengesetzes. In allen neun befragten EU-Ländern war die Zustimmung durchweg hoch (unter der Mitteilung in den Notes ist eine Excel-Datei mit detaillierten Ergebnissen verlinkt). Die Gewerkschaftsverbände EFFAT, EPSU, UNI Europa, IndustriALL und ETUC veröffentlichen ein gemeinsames Statement, in dem sie eine europäische Richtlinie zur Einführung verbindlicher, umfassender und wirksamer Menschenrechtsmechanismen (einschließlich gewerkschaftlicher und arbeitnehmerbezogener Sorgfaltspflichten) zu fordern.

Lieferkettenengpässe: Experte Peter Rinnebach spricht mit FashionUnited über aktuelle Komplikationen im weltweiten Handel und darüber, was Unternehmen kurzfristig und langfristig tun können, um ihre Lieferkette zu optimieren. Die Modebranche kämpft derzeit mit starken Verzögerungen, u.a. durch Staus im Container-Shipping, die wiederum negative Auswirkungen auf Materialverfügbarkeit und Produktion haben. Diese Komplikationen treffen auf das effizienz-optimierte Modell, in dem Marken monatlich neue Kleidung ("Drops") anbieten. Dieses Modell lässt wenig Spielraum für Abweichungen, auch da Sicherheitsbestände in den Lagern in den vergangenen Jahren heruntergefahren wurden. Aktuell versuchen Unternehmen also, Unsicherheitsfaktoren auszuschalten, z.B. dadurch, dass die Produktion saisonaler Waren wieder näher gebracht wird (Nearshoring). Rinnebach rät Unternehmen, mehr Transparenz in die eigene Lieferkette zu bringen, um proaktiv agieren zu können. Laut Rinnebach werden hier momentan sehr viele Investitionen im Kontext der Digitaliserung getätigt. Marken bringen sich zudem wieder verstärkt in das Materialmanagement ein und arbeiten jetzt enger mit Lieferant*innen zusammen, was dazu führt, dass wieder langfristige Partnerschaften angestrebt werden. Versicherungsunternehmen Allianz warnt indes vor Hacker-Attacken auf Liefereketten: Unternehmen, die für Wirtschaft und Gesellschaft essenzielle Güter ausliefern, gehörten zu den besonders gefährdeten Zielscheiben.

Better Buying Partnership Index: Better Buying lanciert ein neues Tool, das als schnelles Status-Update fungieren soll, um eine ganzjährige Überwachung und Analyse aufkommender Fragen und Trends sowie potenzieller Problembereiche in der Geschäftsbeziehung zwischen Unternehmene und Lieferant*innen zu ermöglichen. Während des Oktobers sammelt Better Buying dafür anonyme Bewertungen von Lieferant*innen. Better Buying ruft Unternehmen auf, ihre Lieferant*innen zu ermutigen, an der Umfrage teilzunehmen, um die Einkaufspraktiken der Unternehmen zu bewerten. Die Antworten der Lieferant*innen sollen in einen zusammenfassenden Bericht einfließen, in dem untersucht wird, wie die Marken und Einzelhändler*innen in Bezug auf die Partnerschaft mit den Lieferant*innen abschneiden. Unterstützt wird der Partnership Index von The Industry We Want, als Teil seiner Metrik zu den Einkaufspraktiken (siehe News Update KW 3 und KW 26).

Produktionsländer

Bangladesch: Die bangladeschische Polizei hat in schwerwiegender Weise die Rechte der Arbeitnehmer*innen verletzt, indem sie zunächst eine Reihe von Gewerkschaftsversammlungen verbot und dann die Teilnehmer*innen physisch daran hinderte, an einer Sitzung teilzunehmen, bei der ein Regionalausschuss des IndustriALL Bangladesh Council (IBC) gegründet werden sollte. In einem Schreiben an die Premierministerin von Bangladesch, Sheik Hasina, verurteilt IndustriALL das Eingreifen der Polizei aufs Schärfste und sagt "Wir fordern die Regierung von Bangladesch auf, die Angelegenheit unverzüglich zu untersuchen und sicherzustellen, dass sich die Polizei, einschließlich der Industriepolizei, nicht in die legitimen Aktivitäten der Gewerkschaften (...) einmischt." Der Fall ist ein klares Warnsignal für Shrinking Space für zivilgesellschaftliche/gewerkschaftliche Betätigung in Bangladesch. Das Center for Policy Dialogue (CPD) organisierte einen virtuellen Dialog mit hochrangigen Gästen (u.a. BGMEA und ILO), in dem CPD über die Erkenntnisse einer neuen Studie zum Stand der UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte in der Bekleidungsbranche berichtete. Die Studie weist darauf hin, dass Bangladeschs Gesamtfortschritt in Bezug auf die UNGPs immer noch unter dem elementaren Niveau liegt.