Aktuelles/Briefing Room

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Studien und Co.

Positive Fashion (British Fashion Council) "The Circular Fashion Ecosystem - A Blueprint for the Future" (PDF-Datei): Der Bericht enthält u.a. drei neue Ziele, die das BFC für eine kreislauforientierte britische Branche anstrebt: Die Verringerung der jährlich neu hergestellten Produkte, die Zusammenarbeit mit den Verbraucher*innen, um die Zahl der Neukäufe zu reduzieren, und die Erhöhung der Investitionen in Recyclingtechnologien (Executive Summary hier). Die Ziele werden durch zehn "Priority Actions" untermauert. Der Bericht empfiehlt, dass britischen Verbraucher*innen dabei unterstützt werden sollten, die Menge der jährlich gekauften Modeartikel zu halbieren. Dem Bericht zufolge nutzen 37% der Käufer*innen einen Mietservice, 58% reparieren Kleidung zu Hause und 63% kaufen in gewissem Umfang gebrauchte Mode. In dem Bericht wird auch argumentiert, dass alternative Geschäftsmodelle wirtschaftlich genauso erfolgreich sein können wie die traditionellen Modelle - wenn nicht sogar erfolgreicher. Die wichtigste Empfehlung für politische Entscheidungsträger*innen ist die Änderung der erweiterten Herstellerverantwortung (Extended Producer Responsibility, EPR), sodass Fast-Fashion-Marken gesetzlich verpflichtet sind, sich an den Kosten für die Behandlung von Textilabfällen zu beteiligen. Auf der Website von Positive Fashion gibt es außerdem anschauliche interaktive Grafiken z.B. zu "Stakeholder Actions and Connections".

Footwear Distributors and Retailers of America (FDRA) "Footwear Environmentally Preferred Material (EPM) Guide": Der Leitfaden befasst sich mit ökologisch bevorzugten Materialien (EPMs) für Schuhe, um Branchenführer*innen Benchmarks und Ziele an die Hand zu geben, die sie bei ihren Bemühungen um die Reduzierung der Umweltauswirkungen ihrer Unternehmen unterstützen. So werden Benchmarks für die Materialien Synthetikleder (PU), Leder, künstliche Fasern (z.B. Polyester), natürliche Fasern (z.B. Baumwolle), Wolle, Gummi, Schaum, biobasierte Materialien, Thermoplaste, Verpackung (Papier & PLastik) und Metall gegeben. Der Handelsverband arbeitete bei der Entwicklung des Leitfadens mit Beschaffungs- und Nachhaltigkeitsexpert*innen von Unternehmen wie Caleres, Allbirds, Nike und Material Exchange zusammen.

European Coalition for Corporate Justice (ECCJ) "Suing Goliath" (PDF-Datei): Im Bericht wird gefordert, dass die EU die Durchsetzung der Sorgfaltspflichten der Unternehmen erleichtert und Betroffene die Möglichkeit bekommen, gegen Unternehmen zu klagen. Der Bericht befasst sich mit 22 aktuellen Zivilverfahren gegen EU-Unternehmen und zeigt schwerwiegende und systembedingte Hindernisse auf, die den Opfern von Menschenrechtsverletzungen den Zugang zu Rechtsmitteln verwehren. Deswegen wird eine Regelung zur Haftung der Unternehmen in der künftigen EU-Richtlinie zur nachhaltigen Unternehmensführung gefordert. Der Bericht befasst sich u.a. mit dem Brand in der Fabrik Ali Enterprises, bei der Verjährungsfristen Verbliebene daran hinderten, vom Hauptabnehmer der Bekleidungsfabrik, dem Discounter KiK, Entschädigung zu erhalten.

NYU Stern Center for Business and Human Rights und Geneva Center for Business & Human RIghts "Seeking a ‘Smart Mix’: Multi-Stakeholder Initiatives and Mandatory Human Rights Due Diligence" (PDF-datei): Das White Paper kommt zu dem Schluss, dass Multi-Stakeholder-Initiativen (MSI) für den Schutz der Arbeitsrechte in globalen Lieferketten von entscheidender Bedeutung sind, und spricht Empfehlungen aus, um sicherzustellen, dass sie wirksam in Gesetze zu Menschenrechtspflichten in Lieferketten einbezogen werden. In dem Papier werden fünf Anforderungen aufgestellt, die alle MSI erfüllen sollten, um als zuverlässige Ressource für Regierungen und politische Entscheidungsträger angesehen zu werden: Führung: In den Leitungsgremien der MSI sollten alle relevanten Interessengruppen - Zivilgesellschaft, Arbeitnehmer*innen und Unternehmen - vertreten sein und alle sollten die gleiche Entscheidungsbefugnis haben. Standards: Alle von den MSI gesetzten Standards und Benchmarks sollten mit dem internationalen Recht übereinstimmen und sich auf einschlägiges branchenspezifisches Fachwissen stützen. Überwachung: Alle von den MSI festgelegten Benchmarks müssen mit unabhängigen Überwachungsmechanismen ausgestattet sein, um ihre Einhaltung zu gewährleisten. Sanktionen: Die von den MSI festgelegten Regeln und Benchmarks müssen verbindlich sein, und Verstöße müssen mit Sanktionen geahndet werden können, die bis zum Ausschluss reichen können. Transparenz: Die MSI müssen von den Unternehmen ein angemessenes Maß an Transparenz verlangen, um sicherzustellen, dass sie gegenüber der Öffentlichkeit rechenschaftspflichtig sind. Damit decken sich die Anforderungen mit den Kernpositionen der zivilgesellschaftlichen Mitglieder im Textilbündnis, damit das Bündnis als starke MSI wahrgenommen wird und entsprechend agieren kann. Das White Paper blickt also mit weniger Grundsatzkritik auf MSI als der Report "Not fit for Purpose" von MSI Integrity aus Juli 2020, wonach MSIs nicht geeignet seien, Missbräuche zuverlässig aufzudecken, Unternehmen für Schäden zur Rechenschaft zu ziehen oder den Zugang zu Rechtsmitteln zu ermöglichen.

News

Nachhaltigkeitsberichterstattung: 22 NGOs (u.a. Clean Clothes Campaign, Open Apparel Registry, Fashion Revolution und das Busines & Human Rights Resource Center) fordern die Aufnahme von Open-Data-Prinzipien in die EU-RIchtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen. Offene Daten sind "Daten, die von jedem frei verwendet, wiederverwendet und weiterverteilt werden können (...)" (Open Data Handbook). Diese Grundsätze sollen sicherstellen, dass die aufgrund der Gesetzgebung produzierten Daten allen Interessengruppen zugänglich sind und die Datenerfassung automatisiert werden kann. 

Produktionsländer

Myanmar: FEMNET berichtet: Der Gesundheitszustand der inhaftierten Gewerkschafterin Myo Aye, die an Diabetes und einer Nierenerkrankung leidet, verschlechtert sich. Arztbesuche werden ihr jedoch verwehrt. Nay Lin Aung, stellvertretender Sekretär der Myanmar Federation of Trade Unions, berichtet, dass mehr als 100.000 Bekleidungsarbeiter*innen bereits arbeitslos seien und diese Zahl bis zum Ende dieses Jahres um weitere 200.000 steigen könnte. Khaing Zar Aung, Gewerkschaftspräsidentin der Industrial Workers‘ Federation of Myanmar (IWFM), berichtet regelmäßig über die Situation in den Fabriken. Arbeiter*innen wird mit Verhaftung gedroht, wenn sie weiterhin Informationen an die Gewerkschaftsführer*innen, die sich dem CDM angeschlossen haben, weitergeben. Auch das Textilbündnis hat nun ein Statement zum Umgang mit der Situation in Myanmar veröffentlicht:  Jedes einkaufende Unternehmen müsse im Rahmen einer intensiven Sorgfaltsprüfung entscheiden, ob eine verantwortungsvolle Weiterführung von Geschäftsbeziehungen möglich ist. Diese Sichtweise wird von den Steuerungskreisverteter*innen aus der Wirtschaft und Bundesregierung unterstützt, nicht jedoch von den Vertreter*innen aus Gewerkschaften und NGOs. Sie fordern, dass sich alle Unternehmen aus Myanmar zurückziehen und diesen Rückzug unter Einhaltung ihrer Sorgfaltspflichten möglichst verantwortungsvoll gestalten.

Vietnam: Nach einem viermonatigen Lockdown in Ho-Chi-Minh werden die Beschränkungen in der Industriestadt langsam gelockert. Nicht mal 10% der Bevölkerung ist geimpft; US-amerikanische Marken wie Nike und Gap fordern Präsident Biden deswegen auf, Produktionsländer wie Vietnam Impfdosen zu senden. Zehntausende Wanderarbeiter*innen wollen die Stadt nun verlassen, da sie ihren Job verloren oder geringere Löhne bekamen. Für viele ist das Leben auf dem Land sicherer als in der Stadt geworden; eine Textilarbeiterin berichtet, dass sie seit Juli in ihrer 10qm-Wohnung festsaß, da sie das Haus nicht verlassen durfte. Regierung und Unternehmer*innen fürchten nun einen ernsten Arbeitskräftemangel und rufen die Arbeiter*innen auf, zu bleiben. Bis zu 2,1 Millionen Arbeitnehmer*innen im Industriegürtel wollten in ihre Heimatprovinzen zurückkehren, berichtete die Regierung. In den Textil- und Bekleidungsbetrieben läge der Arbeitskräftemangel teilweise bei 60-70%. Das Arbeitsministerium hat bereits Finanzmittel zur Unterstützung der Arbeiter*innen zur Verfügung gestellt.

Unternehmen im Textilbündnis

Auch Takko signalisiert wirtschaftliche Erholung und überrascht mit einem Umsatzrekord im zweiten Quartal. H&M kann den Quartalsgewinn mehr als verdoppeln und will erstmals seit Beginn der Krise wieder eine Dividende ausschütten (siehe weitere Meldungen zu Umsätzen im News Update KW 39).